Das Experiment – Werbung

Wiese Woche ging eine Welle gegen den Werbeblocker Adblock Plus, ausgelöst durch Sascha Pallenberg, durch das Internet. Der Artikel ist recht emotional geschrieben und der Grund wird mit Sicherheit in entgangenen Werbeeinnahmen zu suchen sein, das möchte ich hier nicht weiter thematisieren. Persönlich nutze ich die Erweiterung schon seid vielen Jahren, obwohl ich nichts gegen Werbung habe. Ich kann es nachvollziehen, wenn Webseiten oder Blogger Ihre Kosten durch Werbung versuchen abzudecken, schließlich kostet das Hosting Geld und Zeit wird dafür auch geopfert. Ich lese gern den Blog von Caschy und habe da volles Verständnis, wenn er sein Leben von den dort erzielten Einnahmen bestreiten möchte. Ich bin auch durch Werbung das eine oder andere Mal auf ein neues Produkt oder einen Dienst aufmerksam gemacht worden.

Also wieso Adblock Plus und was war der Ursprung für dieses negative Verhalten gegenüber Werbung im Internet?

Interessanterweise liefert der Artikel von Sascha Pallenberg auch die Antworten auf diese Frage. Als Werbung noch aus Bannern bestand, war die Internetwelt noch heile, auch als die Textwerbung von Google hinzu kam war noch alles schön bunt und erträglich. Das blinken in Werbebannern nervte mich nicht großartig, das Internet lebte halt und wollte mehr Aufmerksamkeit von mir. Doch dann kam die drei Werbeausbaustuffen, die mich zur meinem radikalen Schritt geführt haben.

Als erstes fingen die bunt blinkenden Flash Werbebanner plötzlich Musik von sich zu geben oder Ansprachen an mich zu richten. Hey, es kommt nicht immer gut an, wenn man bei Recherche plötzlich von Musik und Sprachwerbebotschaften belästigt wird. Erst recht nicht, wenn es die Aufmerksamkeit von dritten auf einen zieht, weil die meinen man würde in dem Augenblick Unfug treiben.

Die zweite Stufe, die mich schon deutlich mehr auf die Palme brachte, war die In-Text-Werbung, mit ihren sich immer öffnenden Fenstern und dem blockieren die eigentlichen Nachricht. Theoretisch ist diese Werbeform ganz nett, aber auch sinn frei. Die eigentliche Werbebotschaft öffnet sich erste, wenn man mit der Maus drüber fährt. Da ich beim lesen aber gern mit der Maus das gelesene mitverfolge, hatte ich ständig irgendwelche Fenster über dem eigentlichen Text und durfte warten oder diese schließen.

Das Fass dann endgültig zum überlaufen brachte die Layer-Ad Werbung. Ins Gedächtnis hat sich bis heute die überall aufpoppende 1 & 1 Werbung, die mehr für Hass als Aufmerksamkeit gesorgt hat. Sorry, aber nach dieser Werbeart war es dann auch vorbei mit ich schaue mir Werbung an und klicke sie an, wenn ich mich angesprochen fühle oder um den Seitenbetreiber etwas wiederzugeben.

Der Artikel von Sascha Pallenberg sprach mich beim nächtlichen durchlesen nicht an. Ich dachte mir noch im ersten Moment, das ist halt die Strafe, wenn man die Schraube überdreht, dann ist oft der Kopf ab. So war es auch mit der Werbung und mir und so wird es auch anderen ergangen sein. Aber dann reifte in mir der Gedanke, wie es den heute wäre ohne einen Werbeblocker sich im Netz zu bewegen? Sind eventuell die lästigen Werbearten inzwischen verstorben und die Seite präsentieren sich wieder in hübsch bunt und abwechslungsreich? Nach der Nacht war der Gedanke gepflanzt, wage doch ein Experiment und deinstalliere Adblock Plus.

Am nächsten Morgen war es dann soweit, zunächst auf dem dienstlichen Notebook, wurde Adblock Plus deinstalliert, über die Synchronisation war es dann auch schon auf den privaten Geräten von alleine passiert. Es war dann plötzlich da, das bunte Internet von einst, mit alle den tollen Produkten, die alle meine Aufmerksamkeit und später meine Daten und mein Geld haben möchten. Aber was für ein Glück meine drei Lieblinge sind weg, ausgerottet?

Der erste Tag war eine interessante neu Erfahrung, wie viel vor einem rausgefiltert wird, wie bunt und beweglich die Werbung inzwischen geworden ist. Plötzliche Textwerbung innerhalb von Texten, die aber zum Glück als solche gekennzeichnet wird. Aber auch die zahlreichen Banner tragen gern seitlich einen Hinweis auf Werbung. Doch die Zeit brachte die erste negative Form wieder, die In-Text-Werbung, sie ist nicht mehr so stark verbreitet, wie 2006 aber immer noch da. Ich bin etwas gespannt, ob ich ohne Adblock Plus noch surfen kann und wie lange.

2 Comments

  • Steffen
    18. Juli 2013 - 01:39 | Permalink

    Aber gerade die InText-Werbung wird ja von ABP als „akzeptabel“ eingestuft, daher die Freischaltung für YieldKit, die natürlich rein zufällig ein anderes Investment des ABP-Investors sind. Und die ebenfalls freigeschalteten Anzeigen auf allen Sedo-Domains (ebenfalls ein Investment des ABP-Investors) stammen von Qualigo, die sich von den daraus erzielten Erlösen den Layer-Terror-Anbieter Binlayer einverleiben konnten. Darum geht es ja, dass man bei ABP ohne mit der Wimper zu zucken Geschäfte mit den Firmen und Investoren macht, die weiter munter ihren Dreck im Internet verbreiten. Mit Adblock Plus bekommen die quasi einen extra freigeschalteten Kanal, auf dem sie dann ohne lästige Konkurrenz ihre zusätzlichen angeblich akzeptablen Werbeanzeigen platzieren dürfen.

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